»Warum polarisierst du, Michelle?« | ‪@eingollan‬ im Gespräch

Shownotes


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00:00:00: Wenn ich mal auf demus bin und jemand steht da vor dir und schreit dich an und sagt, na, zieh's raus.

00:00:04: Wir haben heute einen ganz besonderen Gast hier.

00:00:06: Hier ist Michelle Gollern.

00:00:07: Ich hatte

00:00:08: einfach sehr viele Fragen und bin dann mit diesen Fragen auf die Straße gegangen.

00:00:13: Und auf einmal kommt ein Artikel, wo drinsteht, kräfte Jübberin, rechter Kanal.

00:00:17: Und hat das Auswirkungen gehabt auf Freundschaften

00:00:20: oder ... Ich habe gelesen, dass du jetzt rechts bist und deswegen mich nicht mal mit dir befreundet seid.

00:00:26: Man

00:00:26: hat wahrscheinlich auch neue Freunde gefunden.

00:00:29: Ja.

00:00:29: Das muss man ja dazusagen.

00:00:30: Verändert oder hat es dich irgendwie in deinen Ansichten, Welternsichten verändert?

00:00:35: Ja, schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt.

00:00:36: Wir haben heute einen ganz besonderen Gast hier.

00:00:38: Hier ist Michelle Gollern.

00:00:40: Hallo, in Berlin.

00:00:41: In Berlin.

00:00:42: Ich freue mich sehr, dabei zu sein.

00:00:43: Richtig, richtig coole Studio.

00:00:44: Also muss ich mal sagen, nicht schlecht.

00:00:47: Man fühlt sich hier wohl.

00:00:48: Sehr gut, freut mich.

00:00:49: Ja, wenn du dich mal vorstellen müsstest, die dich noch nie gesehen haben, was würdest du über dich sagen?

00:00:54: Wo bist du denn?

00:00:55: Spannende Frage.

00:00:57: Ich bin Michelle Gollern, ich bin da ein zwanzig Jahre alt und ich hab den YouTube-Kanal namens einen Gollern und dort poste ich sehr, sehr schlimme, wie die öffentlich-rechtlichen Medien schreiben würden, rechte Hetze.

00:01:08: Dabei stelle ich einfach nur kritische Fragen auf der Straße und mache sehr oft Straßenumfragen.

00:01:13: Und jetzt neuerdings auch Podcast.

00:01:15: Also, ja, ich interessiere mich sehr für Menschen und vor allem auch für Politik.

00:01:18: Das kann man, glaube ich, so ganz gut zusammenfassen.

00:01:21: Du hast da schon über zweihunderttausend Abonnenten.

00:01:23: Also Böhmermann würde jetzt sagen, willkommen im Mainstream.

00:01:27: Ja, ich würde auch gerne mal, dass er mich in einer Reportage doxt oder einfach mal zu meiner Familie fährt und mich diffamiert, weil dann würde ich ja von heute auf morgen auch mal hunderttausend Monaten mehr bekommen, also mega.

00:01:39: Also besser kann es nicht laufen, ja.

00:01:41: Also es ist wirklich rückblickend ganz gut gelaufen für Clowny.

00:01:46: Aber wie gut kenne ich die Leute?

00:01:50: Wo bist du geboren?

00:01:51: In der Nähe von Bielefeld.

00:01:53: Und ich würde sagen, ich bin immer, wie ich bin.

00:01:57: Auch ich verstell mich nie, das könnte ich auch nicht.

00:01:59: Klar, ich hab Schauspiel studiert, man wird meinen, ich hab auch einen Talent, mich in andere hineinzuversetzen.

00:02:06: Aber das würde ich eher so sagen, dass ich in dieser Schauspielschule gelernt habe, wie es ist, andere Menschen wirklich richtig gut verstehen zu können, damit man auch weiß, warum glaubt der Mensch jetzt ... Beispielsweise, dass die Grünen uns retten werden oder dass das eine gute Partei ist, dann möchte ich verstehen, woher kommt das?

00:02:21: Was sind so ihre Gedanken?

00:02:23: Wie sind sie vielleicht auch aufgewachsen?

00:02:24: Also, das habe ich eher in dieser Schauspielschule gelernt, aber ich würde nicht sagen, dass ich mich jetzt verstellen kann, dass das ein bisschen zu viel und auch jetzt in meinen Videos, wenn ich jetzt zum Beispiel Straßung fragen mache, da bin ich einfach ich.

00:02:36: Klar, ich bin noch ein bisschen so nicht auf Krawall gewürztet.

00:02:40: Also, wenn es jetzt auf einer Demo ist, dann muss man natürlich ein bisschen Stärke auch mitbringen, aber ich bin schon sehr direkt.

00:02:45: und natürlich auch polarisierend.

00:02:46: Ich stelle halt sehr kritische Fragen, weil ich eben was herausfinden will.

00:02:49: Aber ich glaube trotzdem, du strahlst etwas aus, dass die Leute dir irgendwie gleich vertrauen.

00:02:54: Dankeschön.

00:02:55: Also ich hoffe es.

00:02:57: Weil sie reden ja mit dir und sie reden offen und sie denken nie, oh, das ist ja eine rechte Hetze.

00:03:02: Ja,

00:03:03: das ist nämlich das Interessante, weil ich glaube wirklich sehr viele Menschen, das ist nicht eine Glaubensfrage, das ist was die Realität mir schon oft bewiesen hat.

00:03:11: Viele Menschen sind auch offen mit mir zu reden.

00:03:12: Und meistens sind das wirklich sehr schöne Gespräche.

00:03:14: Klar, man ist oft unterschiedlicher Meinung.

00:03:16: Ich hab das jetzt zuletzt auf so einer Art CSD-Veranstaltung erlebt.

00:03:20: Da hab ich mal länger mit einer Person über dieses Transdar sein gesprochen.

00:03:24: Aber es hat mich wirklich interessiert, wo kommt das denn her?

00:03:26: Kann es sein, dass es vielleicht in der Familie oder in der Vergangenheit bestimmte Traumatas gab, die dazu geführt haben, dass man sagt, ich möchte mich selber, so wie ich jetzt auf die Welt gekommen bin mit meinem biologischen Körper, nicht akzeptieren?

00:03:40: Und es war ein wirklich interessantes Gespräch und der, ich wollte grad sagen Mann, aber es war dann jetzt wieder eine Frau.

00:03:47: Also die Frau war sehr offen, biologisch was ein Mann.

00:03:52: Biologisch war es ein Mann, aber jetzt irgendwie identifiziert als Frau ist ja auch egal.

00:03:58: Ja, diese Person war sehr offen mir gegenüber und dann erlebe ich das ganz, ganz oft, dass die Menschen sehr offen sind, gerne mit mir reden und dann sagen sie ja, woher kommen sie eigentlich?

00:04:07: Dann sage ich ja, mein Kanal heißt Eingolland, dann wird sie gegoogelt und dann kommen sie zehn Minuten später zurück.

00:04:12: Ja, ich will dich, dass es veröffentlicht wird.

00:04:13: Und dann frag ich auch ja, warum nicht?

00:04:14: Es war doch wirklich interessant.

00:04:15: Jeder hat seine Meinungpreis gegeben.

00:04:17: Wir haben uns höflich verständigt.

00:04:20: Wir waren respektvoll.

00:04:21: Was ist genau das Problem?

00:04:22: Ja, das ist ja so ein rechter Kanal.

00:04:24: Als wär ich da schon höre, dann denk ich mir, ach, okay, komm, ich respektiere das dann natürlich.

00:04:28: Aber es ist schade.

00:04:30: Auch direkt so, ich hab kein Problem damit, dass Leute mich als rechts beschreiben.

00:04:35: Natürlich ist meine politische konservative Meinung eher im rechten Spektrum.

00:04:41: Vertreten, aber ich habe wirklich kein Problem damit, wenn man mir das sagt, aber das als Grund zu nehmen, warum man nicht mit mir sprechen sollte, das ist dann halt schade.

00:04:50: Ja, dein Werdegang, wie war er?

00:04:52: Bist du in einer konservativen Familie aufgewachsen?

00:04:55: Ja, also ich habe natürlich das klassische Familienbild vorgelegt bekommen, Mama, Papa, Schwester, Familie.

00:05:02: Das ist

00:05:02: ja schon konservativer.

00:05:03: Das ist ja für die heutige Zeit das ja.

00:05:06: Rechtsradikal, ja.

00:05:07: Ach so.

00:05:08: Nein, ich hab das natürlich so mitbekommen.

00:05:11: Ich bin auch sehr dankbar für meine Familie.

00:05:12: Ich hab eine sehr starke Familie.

00:05:14: Und bei mir oder ist immer noch so, ist dieser Familienzusammenhalt sehr, sehr wichtig.

00:05:20: Natürlich in der Corona-Zeit gab es immer Auseinandersetzungen.

00:05:23: Ein paar wollten sich nicht impfen lassen, ein paar haben sich geimpft.

00:05:27: Die einen sind schwul, die anderen sind nicht schwul.

00:05:29: Es ist aber alles vertreten im engsten Kreis meiner Familie.

00:05:32: Und das war aber okay.

00:05:33: Man hat dann halt miteinander gesprochen.

00:05:34: Klar, man war nicht immer einer Meinung.

00:05:36: Aber worauf es ja wirklich ankommt, wenn es dann mal etwas gibt, z.B.

00:05:40: meiner Oma geht es Gott sei Dank wieder gut, aber sie war eine Zeit lang im Krankenhaus, sechs Wochen lang, das war eine schwere Zeit.

00:05:45: Aber dass man da sagt, wir sind eine Familie und wir halten ihr zusammen, darauf kommt es, glaube ich, auch an, dass man so viel Stärke hat und Zusammenhalt hat, dass man weiß, man kann sich auf seine Familie verlassen.

00:05:57: Und das ist natürlich sehr schade, dass das heute nicht mehr so oft existiert.

00:06:02: Du hast ja sogar Migrationshintergrund.

00:06:05: Ja, eine Rechte mit Migrationshintergrund.

00:06:09: Genau, meine Mama kommt aus Kroatien.

00:06:11: Mein Großeltern, Väterlicher Seite sprechen.

00:06:13: Polnisch war aber früher Deutschland, also sie sehen sich auch eher als Deutsche, aber klar, ich höre dann halt Polnisch, Quartisch, Deutsch, alles.

00:06:21: Also dein Großvater, Mütterlicherseits?

00:06:24: Ist Quarte.

00:06:26: Okay, genau.

00:06:27: Spricht aber polnisch.

00:06:29: Also meine Großeltern, meine Mama und meine Mama, die sind

00:06:34: Kroatien.

00:06:34: Und

00:06:35: mein

00:06:36: Vater ist noch in Polen.

00:06:40: sind sie

00:06:40: quasi Aussiedler oder?

00:06:42: Ja, unvertrieben

00:06:43: eher gesagt.

00:06:44: Also meine Großeltern väterlicher Seite wurden dann damit vertrieben, sind dann eben nach Deutschland gekommen, weil sie ja, also es war ja Deutschland, dann war eben der Krieg und es wurde gesagt, so jetzt wird hier nur noch polnisch gesprochen und so

00:06:56: weiter.

00:06:57: Okay, die sind klassische Vertriebene, die in der Zeit fünf, vierzig oder wann vertrieben worden sind, okay.

00:07:02: Aus Ostpreußen genau.

00:07:03: Und die könnten, also dein Großvater kann polnisch?

00:07:05: Ja,

00:07:06: meine Großeltern sprechen auch polnisch, ja.

00:07:08: Okay.

00:07:09: Interessant.

00:07:09: Es war bei mir nicht so viel hingeblieben, aber...

00:07:11: Ja, und hast du das irgendwie gemerkt in deiner Kindheit auch, dass du anders bist, nicht so wie die Deutschen vielleicht auch anders aufgewachsen?

00:07:21: Ja, tatsächlich schon.

00:07:23: Also ich merke, ich habe sehr viel mehr Berührungspunkte mit der Quatschenseite.

00:07:28: Da verstehe ich auch mehr.

00:07:30: Und da haben wir

00:07:31: auch die Sprache.

00:07:32: Ja, das verstehst du mehr.

00:07:33: Weil ich ja mit sagen, da verstehe ich die Sprache.

00:07:35: Sehr gut, polnische Länder nicht.

00:07:37: Also dein Deutsch ist auch nicht so schlecht.

00:07:38: Danke schön.

00:07:40: Haben Sie mir gut beigebracht.

00:07:41: Ja.

00:07:42: Das ist nämlich auch eine interessante Sache.

00:07:43: Meine Mutter wollte, dass ich in der ... im Kindergarten in der Schule und auch von Haus aus nur Deutsch spreche und auch nur Deutsch lerne.

00:07:51: und sie haben mir bewusst nicht kroatisch und polnisch und das alles noch beigebracht, weil sie selber miterlebt haben, wie es zu damaligen Zeit war.

00:07:58: Also, als meine Mutter von Haus aus nur kroatisch gehört hat und dann halt in Deutschland im Kindergarten in der Schule war, musste sie sich das ja eben beibringen.

00:08:07: Sie ist als Kind nach Deutschland gekommen.

00:08:08: Genau, und bei ihr war das dann aber so, sie wurde immer gesehen als ... das Ausländer-Mädchen.

00:08:13: Und weil sie halt auch dann kroatisch konnte.

00:08:16: Und sie wollte eben, dass es bei mir nicht so ist, dass ich Deutsch bin und dass ich auch perfekt Deutsch spreche und dass ich da keine Probleme habe.

00:08:23: Deswegen war es meinen Eltern sehr wichtig, mir halt erst mal perfekt Deutsch beizubringen.

00:08:28: Ja, jetzt hab ich aber die andere Frage vergessen, wo ich eigentlich ... Also, ich hab's auf jeden Fall das gemerkt.

00:08:33: Auch die kulturellen Unterschiede.

00:08:35: Also, meine Familie ist ja so, ich würd sagen, offen, locker.

00:08:39: Ist natürlich klar, polnisch-kroatische Seite da.

00:08:41: Tanzmann auch mal, da trinken wir auch mal ein.

00:08:43: Ja, das ist einfach alles, also unsere Familienfeiern.

00:08:47: Meine Mutter hat tatsächlich letztens zu mir gesagt, du solltest eigentlich mal, also das mache ich natürlich nicht, aber einfach mal so ein Video hochladen, wo man unsere klassische Familienfeier sieht.

00:08:55: Weil da ist auch jeder willkommen, ja.

00:08:58: Und da werden auch drei verschiedene Sprachen gesprochen.

00:09:01: Und da werden polnische Lieder, kroatische Lieder, deutsche Lieder gehört.

00:09:04: Wir sind am Tanzen und haben Spaß.

00:09:06: Und ich glaube, meinen Eltern ... Also ich glaub, für meinen Eltern ist es schwer, dass ich teilweise so diffamiert werde.

00:09:14: Für mich ist es nicht so schlimm, weil ich kann damit irgendwie umgehen.

00:09:16: Aber sie wissen ja, wie ich privat bin und dass ich überhaupt nicht rassistisch oder diskriminierend zu irgendwelchen Menschen bin.

00:09:21: Und deswegen

00:09:23: tut es

00:09:23: denen weh, dass andere Menschen mich so wahrnehmen.

00:09:27: Kriegst du aber trotzdem Unterstützung von denen?

00:09:29: Ja, klar.

00:09:30: Die

00:09:30: stehen hinter dir.

00:09:31: Die stehen hinter mir.

00:09:33: Das ist wirklich sehr, sehr schön.

00:09:34: Auch meine Großeltern, die gucken sich auch immer jedes Video an.

00:09:37: Echt?

00:09:40: Ich glaube, das ist ganz wichtig, dass man überhaupt auch eine Unterstützung hat in der eigenen Familie.

00:09:44: Sonst, glaube ich, würde man das nicht schaffen

00:09:46: heute.

00:09:46: Nein,

00:09:47: nein.

00:09:47: Also das wäre ... Ich wäre gar nichts einfach.

00:09:51: Ich glaube, man könnte mich dann auch besser indoctrinieren.

00:09:55: Ich würde das, was mir gesagt ... werden würde von Politik und Medien.

00:10:01: Ich wäre, glaub ich, offener dafür, mich dadurch so unterkriegen zu lassen.

00:10:06: Also, wenn ich meine Familie nicht hätte, dann hätte ich diese Stärke nicht.

00:10:09: Auch alles zu überstehen, diese ganzen Artikel und diese Y-Kollektivreportage und all das, was noch so kommt.

00:10:16: Das ist auch jetzt, klar, wenn ich mal auf demus bin und jemand steht da vor dir und schreit dich an und sagt, nah, zieh's raus.

00:10:22: Das sind ...

00:10:23: Sachen.

00:10:23: Macht das was mit dir?

00:10:25: In dem Moment nicht.

00:10:26: Im Nachhinein hab ich dann so einen Reflexionsmoment, wo ich mir denke, was ist jetzt hier eigentlich wieder gerade passiert.

00:10:32: Aber klar, wenn ich diese Unterstützung nicht hätte, dann könnte ich das nicht schaffen.

00:10:35: Auf gar keinen Fall.

00:10:36: Die Linken würden ja jetzt genau das fragen.

00:10:38: Wie kann es sein, dass ein Mädchen mit Migrationshintergrund oder eine Frau wie du da so ein Content produziert?

00:10:49: Und gegen Ausländer ist wahrscheinlich...

00:10:51: Genau, alle Ausländer raus.

00:10:52: Ich weiß auch nicht, wer sowas in die Köpfe gesetzt hat.

00:10:56: Aber was sagst du zu solchen Leuten?

00:10:59: Na ja, was sage ich denen?

00:11:00: Ich sage denen, erst mal, wenn die klar mit diesem Argument kommen, ja, ihr... Ihr Rechten oder auch die AfD-Wähler, ihr wollt ja alle Ausländer rausschmeißen.

00:11:08: Dann sag ich, das ist absolut falsch, dem ist nicht so.

00:11:10: Hier wird gesagt, dass wir möchten, dass die Menschen, die hier unser Land kommen, von unseren Steuergärner leben, dann auch noch kriminell sind, dann Frauenvergewaltigen, Kindervergewaltigen, schlimme Dinge, wirklich sehr, sehr schlimme Dinge tun.

00:11:22: Und das sogar dann als Wiederholungstheter, dass die ganz klar raus sollen.

00:11:27: Also ... Ich möchte doch jedes Land für sein eigenes Land, dass die eigenen Bürger sich hier wohlfühlen und sicher fühlen.

00:11:34: Und das ist in Deutschland leider nicht der Fall.

00:11:38: Das ist das, was ich Ihnen sage, aber wie du gerade meintest, dieses Argument von den Linken.

00:11:42: Ich könnte genauso sagen, gerade weil ich Migrationshintergrund habe, weil meine Mama aus Kroatien kommt.

00:11:48: Von meiner Familie weiß ich ja, wie es ist, als Gastarbeiter hierherzukommen in ein Land, wo du keine Unterstützung bekommst, weil bei meinen Großeltern war das eben nicht so.

00:11:58: Die mussten arbeiten vom ersten Tag an.

00:12:01: Die mussten ihre Wohnung selber bezahlen, ihr Essen selber bezahlen, alles selber bezahlen und mussten sich ihr eigenes Leben hier aufbauen.

00:12:06: War das gut?

00:12:08: Klar, an manchen Ecken hätten sie wahrscheinlich auch gerne Unterstützung.

00:12:13: brauchen können.

00:12:14: Aber dieses Übertriebene, dass es jetzt gefühlt nur Unterstützung gibt und diese Bereitschaft zu arbeiten, fast gar nicht mehr existiert, das ist dann auch wieder ein Extremum, das zu viel ist.

00:12:25: Aber eben, weil ich gerade weiß, wie es halt ist, dass Menschen in dieses Land kommen, ohne irgendwas zu bekommen vom Staat, sich hier was aufzubauen und halt auch das Wert schätzen.

00:12:35: und trotzdem schätzen sie Deutschland sehr und sind dankbar für das, was Deutschland ihnen gegeben hat.

00:12:39: Und das würde ich denen gerne so sagen.

00:12:42: Du bist ja jetzt quasi als Deutscher aufgewachsen, kann man ja sagen, ne?

00:12:47: Hast du das irgendwann mal in der Schule oder in der Kita gemerkt, okay, ich hab doch zuhause einen anderen Hintergrund als der Rest, ja?

00:12:56: Oder vielleicht fühlt man sich auch anders?

00:13:01: Ich hab öfter mal in der Weiterführende Schule gehört, dass ich ... dass sie gern sagen würden, ich bin ... quasi ne Kanakin, weil ich korrekt bin.

00:13:10: Aber ich bin ja Deutsch.

00:13:11: Also, weißt du, so ne Deutsch, das hat mir wirklich jemand gesagt.

00:13:14: Da dachte ich mir so, wenn's ein Kompliment war, danke, aber irgendwie komisch, ja.

00:13:18: Aber ich hab mich auch immer für andere interessiert.

00:13:20: Und dann hab ich, ich hatte halt zum Beispiel, ähm, von der, ich glaub, ich hab irgendwann in der siebten Klasse die Schule gewechselt, siebte, achte, neunte Klasse.

00:13:28: Meine zwei besten Freundinnen waren Türkenen.

00:13:30: Und natürlich bringen die dann auch mal paar türkische Wörter bei.

00:13:33: Und dann haust du das halt auch mal irgendwann raus.

00:13:36: Und das ist halt so ein interessantes Fall.

00:13:39: Das ist ja das Witzige.

00:13:40: Jetzt sieht man mich halt als so was ganz Schlimmes an, aber eigentlich interessiere ich mich halt für andere Kulturen.

00:13:44: Ich finde das ja auch spannend.

00:13:45: Und wenn es halt übertrieben ist, sag ich mal, wie wird das ja heute erleben?

00:13:49: in vielen Schulklassen von zehn Kindern, sind drei in Deutsch vielleicht nur zwei.

00:13:54: Das ist halt dieses Extreme, was dann doch zu viel ist.

00:13:57: Man kann ja offen sein für andere Kulturen.

00:13:58: Jeder ist hier willkommen, der auch eben die deutschen Gesetze und den deutschen Staat so annimmt.

00:14:03: Was hast du dann?

00:14:04: Du hast dann irgendwann mal Abitur gemacht.

00:14:08: Irgendwo bei Bielefeld war das, ne?

00:14:10: Abitur und dann dachtest du, jo, ich möchte Schauspielerin werden.

00:14:15: Oder war das so

00:14:16: so ein... Noch ein Riesen, richtig sehr viel Zeit dazwischen.

00:14:21: Also ich habe mein Abitur gemacht, genau.

00:14:23: Und das war ja schon zwei der Corona-Jahrgang.

00:14:26: Ja.

00:14:26: ...'s Jahr.

00:14:26: ...'s Jahr.

00:14:26: ...'s Jahr.

00:14:27: ...'s Jahr.

00:14:28: ...'s Jahr.

00:14:29: ...'s Jahr.

00:14:29: ...'s Jahr.

00:14:30: ...'s Jahr.

00:14:30: ...'s Jahr.

00:14:31: Also das Schönste am Abitur machen sind hier eigentlich die Abi-Feiern und keine Ahnung, Randale in der Schule machen, das alles hatte man dann nicht.

00:14:38: Und dann habe ich gesagt, nach dem Abitur habe ich halt auch meinen T-III, meinen Van gekauft und habe gesagt, ich werde jetzt erstmal reisen finden.

00:14:46: paar Monate, am Ende waren es vier Monate.

00:14:48: Und da fing das dann an, also auch klar, in der früheren Zeit, also auch schon, wo ich ein bisschen jünger war, hab ich mich für die Politik interessiert.

00:14:56: Aber so diese Reise war für mich ein ausschlaggebender Moment und viele, viele Punkte während der Reise, wo ich mir dachte, irgendwas stimmt hier nicht ganz.

00:15:03: Also klar, diese

00:15:04: ... Super, du hast dir ein T-Dreie gekauft für deiner Spartis oder was hast du?

00:15:09: Und also ich glaube, ich hätte gar nicht mal den Mumm, wie alt warst du da?

00:15:14: Achtzehn.

00:15:15: Achtzehn.

00:15:15: Ja.

00:15:16: Ich bin auf der, also während der Reise bin ich neunzehn geworden.

00:15:19: Hast du dir ein Auto gestapft, sagst du, um bis los?

00:15:21: Wohin?

00:15:22: Ähm, erst Kroatien natürlich.

00:15:24: Dramieren, Urlaub muss mitgenommen werden, klar.

00:15:26: Äh, Italien, Spanien, Portugal, Frankreich.

00:15:29: Äh, ja, ich glaub, das war so die grobe

00:15:31: Route.

00:15:32: Du bist wirklich ganz alleine rumgefahren.

00:15:34: Ja, ich hab zwischendurch natürlich immer wundervolle Menschen kennengelernt.

00:15:38: Zweimal hab ich zwei liebe Mädels kennengelernt, die dann quasi mit mir zusammen.

00:15:43: z.B.

00:15:44: eine Woche weiter gereist sind.

00:15:46: Und das war so das Leben an.

00:15:48: Also das war so interessant, weil es eben zu dieser Corona-Zeit war.

00:15:50: Erstmal haben die natürlich alle im Umfeld gesagt, du bist total verrückt, weil du bist eine Frau und kannst dich alleine reisen.

00:15:56: Das wäre das Erste,

00:15:58: was mir einfallen würde.

00:15:59: Das erst mal.

00:16:00: Und natürlich dazu kam noch, ja, wir haben noch gerade Corona und Maskenpflicht und Impfungen und du wirst sowieso nichts sehen können, weil alles hat geschlossen und du darfst.

00:16:07: Das war im Jahr zwanzig.

00:16:08: dann, ne?

00:16:09: Du darfst zum Beispiel auch nicht nach Italien einreisen.

00:16:12: Und was weiß ich?

00:16:13: Also ich muss sagen, in Italien war ich am längsten, weil es einfach so cool war.

00:16:16: Die Leute haben sich dann nicht so viel sagen lassen.

00:16:18: Die haben draußen ganz normal, sind so abends rausgegangen in Cafes und Restaurants.

00:16:23: Also das war zum Beispiel so ein Moment, in den deutschen Medien steht Italien-Horror.

00:16:28: Natürlich gab es mal eine Zeit lang, wo es halt schlimmer war.

00:16:30: Wo

00:16:30: dieser lange Dreck an Leichen

00:16:33: natürlich nicht

00:16:34: da auszutiert worden ist aus der Stadt.

00:16:36: Ich weiß nicht mehr, welche Stadt das war.

00:16:37: Ja, weiß ich auch grad nicht.

00:16:38: Aber dann bist du da in dem Land und denkst du, irgendwie ist alles normal.

00:16:44: Also wie hat diese Fahrt oder diese Reise, wie lang ging sie?

00:16:47: Vier Monate.

00:16:48: So ungefähr.

00:16:49: Wie hat sie dich verändert in deiner Sicht auf die Dinge?

00:16:54: Sehr stark.

00:16:55: Also erstmal natürlich durch die ganzen Erlebnisse, die nicht alle schön waren, war natürlich auch in manchen Momenten sehr gefährlich.

00:17:02: Zum Beispiel?

00:17:03: Ich wollte halt nie Geld ausgeben, weil ich hatte nicht so viel Geld irgendwie für so offizielle Wohnmobil-Raststation oder so was.

00:17:11: Dann hab ich mal auf irgendwelchen Parkplätzen, zum einen mal auch neben dem, wo die ganzen Gräber waren, so neben dem Friedhof hab ich dann auch noch mal, weil es halt günstig war, da war meistens irgendwie so Wasser und keine Ahnung.

00:17:24: Also wenn wir zurückdenken, auch ein bisschen zu viel, das Ganze.

00:17:27: Auf jeden Fall war ich einmal alleine auf so einer großen Wiese, richtig schön, Sonnenuntergang.

00:17:32: Man war komplett alleine und dann hatte ich die Schiebetür von meinem Van offen.

00:17:37: Und dann ist da so ein älterer Herr drei, vier Mal in meinem Wagen sehr nah lang gegangen.

00:17:41: Das war wirklich eine Riesenwiese.

00:17:43: Da hatte ich echt ein bisschen Angst, dann hab ich mein Messer in die Hand genommen und hab so getan, das würde ich ein Apfisch schneiden, damit wenn was ist, ich irgendwie was machen kann, dann kam der auch auf mich zu, ich saß im Auto, er kam von außen, die Tür war ja offen, hat dann gesagt, was machst du hier, so junges Mädchen und so was alles, und dann hab

00:17:58: ich... Wo war das in Italien?

00:17:59: Das war auch in Italien leider.

00:18:01: Und dann hab ich gesagt, nee, nee, ich warte auf meinen Freund, der ist gerade einkaufen, war aber, ich weiß nicht, wo man dann jetzt noch einkaufen will.

00:18:07: Der hat mich so ein bisschen ausgelacht, ist dann erst mal so ein Stück zurückgegangen, dann hab ich quasi vor seiner Nase diese Schiebetür zugemacht und bin einfach weggefahren, weil der war wirklich gruselig.

00:18:15: Ich sag nicht, dass er vielleicht etwas gemacht hätte, aber es war schon ein bisschen zu viel.

00:18:20: Also so was erlebt man auch, ja?

00:18:21: Oder dass du auf der Straße dann von irgendwelchen Männern angefiffen wirst, und ich hab mich jetzt nie freizügig angezogen, ich hatte einfach eine kurze Hose an oder ein Kleid, war ja Sommer.

00:18:30: Ähm, ja, ist mir auch mein ... auch ein älterer Herr, da auch so ein bisschen hinterhergefahren.

00:18:35: Das ist dann auch ... Das in der Lebende sind nicht so schön, aber grundlegend kann man sagen, diese ganze Reise hat mich stärker gemacht und ein bisschen was für Selbstbewusstsein getan, auf jeden Fall.

00:18:45: Und du sagst, du hast dich da irgendwie verändert oder hattest dich irgendwie in deinen Ansichten, Welternsichten verändert?

00:18:53: Ja, weil es ist das eine, was dir gesagt wird, was ... auch von deinen Eltern, die Überzeugung der Eltern sind, was das richtige Leben ist oder die richtige Lebensform ist.

00:19:03: Und es ist das andere, was du selber erlebst und was du daraus machst.

00:19:06: Und wie schon mit dem Beispiel grad gesagt, du liest irgendwas in einem Artikel, ist ja auch sehr viel politisch gewesen zu der Zeit.

00:19:12: Und dann bist du aber in der Realität und die Menschen in dem Land erzählen dir was ganz anderes, was dem widerspricht.

00:19:17: Und dann fängst du halt an, wieder mehr Fragen zu stellen.

00:19:19: Dann habe ich natürlich auch die politischen Ereignisse in Deutschland weiter beobachtet.

00:19:24: da sehr viele Fragen gestellt.

00:19:25: Und dann irgendwann war ich halt wieder in Deutschland, wusste nicht so genau, was ich jetzt machen soll.

00:19:30: Hab ein Studium angefangen, was ich aber auch abgebrochen habe und ...

00:19:34: Welches war das?

00:19:36: Integrated Media and Communications.

00:19:38: Okay, würde ja jetzt gut sein oder nicht?

00:19:42: Würde

00:19:42: gut sein, hat vielleicht auch ... Nein, hat nichts gebracht.

00:19:45: Also, da lernt so halt alles, wie man video schneidet, wie man fotografiert, wie man ... Ein Artikel richtig einbaut mit InDesign und so was alles.

00:19:57: Aber mein Schnittlehrer hat mir damals eine Fünf gegeben für meine Videoschnittkünste.

00:20:03: Und ja, heute verdiene ich mein Geld damit.

00:20:07: Schneidest du die auch selber, deine Videos

00:20:09: jetzt?

00:20:09: Ja, also, neunzig Prozent von uns sind selbst geschnitten.

00:20:12: Ja, du hast ja schon mit deinem Band angefangen, YouTube.

00:20:16: Ja, da hat es angefangen.

00:20:17: Also, habe ich so Vlogs und so gemacht.

00:20:20: Und hat es natürlich keiner angeschaut, hat keinen interessiert.

00:20:23: Aber wie

00:20:24: bist du darauf gekommen, dass du sagst, okay, ich bin jetzt Mädel.

00:20:27: Was durch die Welt reißt mit dem schicken T-III.

00:20:31: Deswegen muss ich eine Kamera dazu nehmen.

00:20:33: Ja, ich hab auch ... Also, meiner Familie wurde immer viel so gefilmt.

00:20:39: Ich kenn meinen Vater auch sehr oft nur so Kamera an der Hand.

00:20:41: Das hab ich einfach übernommen.

00:20:43: Und dann dachte ich mir, jetzt machst du so eine Reise einmal in deinem Leben.

00:20:45: Da musst du ja auch allein für deinen ... Privatumfeld viel mit Film und mitnehmen.

00:20:50: Das hab ich dann gemacht, hab so ein bisschen was zusammengeschnitten, eben auf YouTube hochgeladen, hat aber keinen interessiert.

00:20:55: Und ich fahrt mein Auto halt so cool, als ich liebe, dieses Auto wirklich.

00:20:58: Hast

00:20:58: du es noch?

00:20:59: Ja.

00:20:59: Ja, klar.

00:21:00: Sehr

00:21:01: gut.

00:21:02: Werdanlage.

00:21:03: Ja, stimmt.

00:21:03: Also,

00:21:04: wenn ich es jetzt verkaufen würde, ja, würde ich das gleiche rauskriegen.

00:21:08: Ja, cool.

00:21:09: Ja,

00:21:09: gut, man hat natürlich ein bisschen was reingesteckt, Getriebe mal kaputt gegangen sind, alles blöde Sachen.

00:21:13: Aber ... Das war so der Anfang, so.

00:21:15: Dann kam ich zurück, nach Deutschland, das hört sich auch komisch an.

00:21:19: Und eben ein Studium, drei Semester, dann abgebrochen.

00:21:22: Ich hatte schon immer den Traum, ein Schauspielerin zu werden.

00:21:25: Und dann war das so dieser Übergang, dann habe ich gesagt, das ist nichts für mich, dieses Studium.

00:21:30: Das war es mir am meisten Spaß, mir auch etwas, was ich wirklich toll finde, Videos zu schneiden.

00:21:36: Da bin ich irgendwie am schlechtesten drin und mir wird gesagt, also mir wurde tatsächlich vom Lehrer gesagt, ja du schneidest zu schnell zu, also zu viele so Katz.

00:21:44: Und das ist ja jetzt genau für so Straßenfragen genau richtig.

00:21:47: Und ich merke tatsächlich manchmal arbeite ich mit Leuten oder Kattern von der alten Schule und... Ich sag, Leute, das geht nicht.

00:21:59: Ich kann das nicht verwenden, das Material.

00:22:00: Das ist Arte, neunziger Jahre, Dokustil oder so.

00:22:04: Ich kann damit nicht leben.

00:22:05: Das geht nicht.

00:22:06: Weil die lassen sich für Interviews am ganzen Stück einfach durchlaufen.

00:22:09: Zum Beispiel.

00:22:10: Ja, das ist...

00:22:11: Gut könnte hier genauso passieren

00:22:13: jetzt.

00:22:13: Das ist was anderes, ein Podcastformat.

00:22:15: Aber tatsächlich... Man sieht es bei jedem Real, jedes Am wird weggeschnitten, weil es unnötige Zeit ist.

00:22:23: Ja, gut, das ist so ein bisschen behind the scene.

00:22:26: Aber gut, und dann hast du Schauspiel hier in Berlin bis extra nach Berlin gezogen.

00:22:35: Nicht bereut.

00:22:36: Doch.

00:22:38: Also

00:22:38: ich konnte mich nie richtig hundertprozentig wohlfühlen, muss ich ehrlich sagen, weil ich auch so oft umgezogen bin.

00:22:44: viermal in einem Jahr und immer innerhalb von Berlin.

00:22:48: Und ich bin nie richtig in dieser Stadt angekommen.

00:22:53: Klar, jetzt hab ich hier irgendwie meinen Kanal aufgebaut und bin natürlich auch hier sehr viel unterwegs.

00:22:57: Aber ich kann nicht sagen, ich fühl mich ja wohl.

00:23:01: Weil meine Wurzeln halt da in der Ecke Bielefeldling ist ja auch egal, wo es ist, Hauptsache ... Da, ich fühle mich da, wo mein, wie der findet, genau hier in meiner Adresse, kann ich direkt liegen.

00:23:12: Da, wo die Familie ist, da fühle ich mich wohl.

00:23:14: Und die sind halt alle sehr an einem Ort in zwei Städten, die nebeneinander liegen.

00:23:18: Ja, deswegen, also Berlin, nee, ich weiß nicht.

00:23:22: Außerhalb, es war schön mit mehr Wiese und Wald, aber ich weiß nicht.

00:23:27: Also, da fühlst du dich wohl in Ostwestfalen.

00:23:29: Ja.

00:23:31: Da ist es okay, da kann man leben.

00:23:34: Ja, und wann war der Moment, dass du gesagt hast, jetzt möchte ich doch anderen Content produzieren, also politischen Content, den du jetzt auch heute machst?

00:23:44: Ich bin einfach, als ich dann nach Berlin gezogen bin, eben für das Schauspielstudium, bin ich aber immer bei den ganzen Demos dabei gewesen, also auch diese ganzen Corona-Demos und Demos gegen die Maßnahmen, das war ja dann immer noch aktuell, als ich auch wieder da war.

00:23:57: Und hab ich auch irgendwie so intuitiv einfach mal mitgefilmt.

00:24:00: Hab jetzt keine Interviews gemacht, aber ich hab einfach mal so das Geschehen gefilmt und online gestellt.

00:24:04: Einfach so.

00:24:05: Und dann kam so viel Resonanz, so, das ist ja interessant.

00:24:09: Ich konnte nicht dabei sein, aber jetzt war ich doch dabei.

00:24:11: Und echt verrückt.

00:24:12: Und dann hab ich angefangen, in den daraf folgenden Videos einfach so wirklich ... Ich hab selber ja gefilmt.

00:24:17: Ich hab dann so den Leuten das Mikro gegeben, hab gesagt, können Sie das mal halten?

00:24:20: Können Sie mal was sagen?

00:24:21: Wie finden Sie es denn heute hier?

00:24:22: Und dann hab dann so selber gefilmt.

00:24:24: Total professionell.

00:24:28: Und das fand die Deutschland sehr interessant, dass ich auf diesen kritischen Demos war und auch, das kommt ja dazu, die Menschen haben zu Wort kommen lassen und sie auch ausreden lassen haben.

00:24:39: Gut, ich hatte keinen All da jetzt einzuschreiten, weil ich ja selber gefilmt habe.

00:24:42: Aber das wird ja oft, also klar, in den öffentlich-rechtlichen Medien haben die ja meist nur... gesagt, ja, hier war jetzt wieder eine Demo von diesen Verschwörungstheoretikern.

00:24:52: Aber ich hab halt die andere Seite gezeigt, so, warum sind die Menschen da und was, ja, was begeistert sie daran oder warum sind sie gegen die Maßnahmen?

00:24:59: Dann konnten sie das ja erklären.

00:25:00: Und das war, glaub ich, so das Interessante.

00:25:02: Und dann hat das irgendwie, hat's eingeschlagen.

00:25:04: Dann hatte ich so viele ... Fragen im Kopf oder Themen, die mich interessiert haben, ob es weibliche Themen sind, wie Pille oder was weiß ich, was da alles für Dinge gibt, dann hab ich natürlich auch über Migration oder diese Gruppenfällegewaltigung und so was gesprochen.

00:25:20: Ich hatte einfach sehr viele Fragen, bin dann mit diesen Fragen auf die Straße gegangen.

00:25:24: Und so fing das dann an, als ich irgendwann mal meine Freundin gefragt hab, ey, hast du Lust, mal eine Stunde zu filmen?

00:25:28: Ich frag hier so ein paar Menschen auf der Straße.

00:25:32: Ja, das war der Anfang.

00:25:35: Wie lange ist das jetzt her?

00:25:38: Boah, wann hab ich denn so richtig angefangen?

00:25:41: Also, ich würde mit richtig anfangen, auf jeden Fall meinen, so wo ich das dann ernst genommen habe und gesagt habe, ich will jetzt mal versuchen, wie das funktioniert.

00:25:49: Ich hab Bock darauf, ich werde jetzt jeden Sonntag ein Video hochladen.

00:25:53: Das war, glaub ich, so vor ... zweieinhalb Jahren, kann das sein?

00:25:58: Für mich ist Corona irgendwie gestern gewesen, aber gleichzeitig auch voll weit weg.

00:26:04: Wenn du überlegst, zwei tausend zwanzig, das ist schon fünf Jahre her.

00:26:08: Ich kann mich an den Tag erinnern, wo Corona ausgerufen worden ist, mehr oder weniger.

00:26:13: Zwei tausend neunzehn hat man es noch in China gehört, also es war noch weit weg.

00:26:16: Und Januar, dann waren die im Januar zwanzig zwanzig, glaube ich, die ersten Fälle in Deutschland.

00:26:23: Ja, krass, würdest du sagen, du bist da jetzt so reingeschlittert in diese diese Szene, sag ich mal, diese konservative rechte Bubble oder wie man das auch in den Mark.

00:26:34: Böhmermann hat da bestimmt die bessere Begriff für ... Ist das so mit der Zeit gekommen?

00:26:41: oder ist es da, wo du sagst, eigentlich war ich immer da, nur da hab ich mich gefunden quasi?

00:26:47: Ich glaube, meine ... meine Werte und meine Überzeugung waren von Tag eins da.

00:26:54: Ich bin ja auch so aufgewachsen.

00:26:56: Und ich hab aber mir nie darüber Gedanken gemacht, auf welcher politischen Seite ich mich selbst ... weil es irgendwie auch nicht so relevant war.

00:27:05: Heutzutage will ja irgendwie jeder von dir wissen, wo bist du jetzt rechts extrem oder rechts oder links oder was

00:27:11: willst

00:27:12: du?

00:27:12: Und jeder Mensch hat so das Bedürfnis.

00:27:16: einen anderen Menschen in so eine Kategorie reinstopfen zu wollen.

00:27:19: Wenn's nur ist, dass sie sagen können, das ist der Warnin, der hat eine Familie, Kinder sind sehr konservativer, ist ja auch fast negativ behaftet, weil jeder ein Konservativ denkt, dass du deine Frau zwingst, den ganzen Tag zu Hause zu sein und in der Küche zu stehen, was total absurd ist.

00:27:36: Diese konservative Denkweise entwickelt sich ja auch mit den Jahren.

00:27:40: Aber ja, meine Überzeugung war schon von Anfang an da.

00:27:42: Es ist halt nur extrem politisch geworden, gewollt habe oder mir so bewusst war.

00:27:48: Also, ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht, wie ich mich selbst sehe.

00:27:51: Und auf einmal, es war wirklich so, ich hab mir wirklich keine Gedanken gemacht.

00:27:55: Und auf einmal kommt Artikel, wo drin steht, rechte Userin, rechter Kanal, rechte Fragen, die sie stellt und so weiter.

00:28:00: Und ich dachte mir, bin ich eigentlich so rechts, wie die mich darstellen?

00:28:05: Und dann hab ich gesagt, ist das schlimm, jetzt rechts zu sein?

00:28:07: Natürlich nicht, es gibt Blinken.

00:28:08: Kannst du

00:28:08: dich an den ersten Artikel erinnern?

00:28:09: Ja.

00:28:11: Das war, ich weiß nicht genau, wie der hieß, ich weiß nur, dass er unterstützt worden ist von der Amadeo-Antonio-Stiftung.

00:28:16: Das sagt ja alles.

00:28:17: Ja.

00:28:19: Das war der erste Artikel.

00:28:19: Aber

00:28:20: kannst du dich erinnern, wo du zum ersten Mal dich irgendwie gelesen hast, also etwas über dich gelesen hast?

00:28:27: Ja,

00:28:28: das war verrückt.

00:28:29: Wie hat sich das angefühlt?

00:28:32: Ich dachte mir, hey, was ist denn jetzt los?

00:28:34: Also, es war ja, es gab ja nie irgendwie, klar, mittlerweile gibt es auch positive Artikel, aber der erste wäre schon ... negativ.

00:28:42: Und dann war ich schon sehr traurig, weil ich mir dachte, ich will doch den Menschen wieder Freude geben und ich will klarkritische Fragen stellen, aber ich möchte auch irgendwie Humor verbreiten und lustig sein und locker sein, einfach mit den Menschen reden.

00:28:54: Und dann schreiben die dann irgendwie, du bist ganz böse und mit mir darf man sich nicht unterhalten und hast du jetzt keine... Identitätskrise, aber du hast die Realität oder das, was du von dir selbst wahrnimmst, wie du dich selbst siehst und fühlst und vielleicht auch wie deinem Umfeld, deine Familie und Freunde dich sehen.

00:29:10: Und das, was die Zeitung schreibt, das hat nicht zusammengepasst.

00:29:14: Und das hat mich schon ein bisschen aus der Bahn geworfen, ne Zeitlang, ja.

00:29:17: Und hat das Auswirkungen gehabt auf Freundschaften oder?

00:29:21: Ja.

00:29:22: Ja?

00:29:22: Ja.

00:29:23: Hast du Freunde verloren?

00:29:24: Ja.

00:29:26: Ich weiß nicht, überhaupt nicht.

00:29:28: Es ist traurig.

00:29:30: war auch sehr traurig.

00:29:31: Bei einem Fall war ich sehr traurig, weil es jahrelang meine beste Freundin war, dann hatte man weniger Kontakt.

00:29:37: Aber man war trotzdem befreundet und dann einfach sozusagen, ja, ich hab gelesen, ich habe etwas mitbekommen, wie du mich behandelt hast.

00:29:46: Es wäre ja legitim, wenn sie sagen würde, du hast mich irgendwie schlecht behandelt oder du hast mich beleidigt oder was auch immer, ich will nicht mal mit dir befreundet sein, alles gut.

00:29:54: Aber zu sagen, ich habe gelesen, dass du jetzt rechts bist.

00:29:58: Und deswegen, wenn ich nicht mal mit dir befreundet sein, dann braucht man auch nicht Antworten.

00:30:02: Also das ist ja Zeitverschwendung.

00:30:04: Aber hast du dich versucht zu erklären?

00:30:06: Nö.

00:30:08: Und das war dann von einem Tag auf den anderen dann vorbei?

00:30:12: Ja, bei einer Freundschaft habe ich dann auch gesagt, du könntest ja auch gerne treffen und darüber reden.

00:30:16: Du kannst mir auch gerne alles an den Kopf hauen, was du über mich denkst und was du auch fühlst.

00:30:20: Aber wenn es nicht angenommen wird, was fällst du da?

00:30:22: groß diskutieren?

00:30:24: Da ist wirklich jede Träne zu viel.

00:30:27: Ja.

00:30:29: Also diese Spaltung hast du bei dir auch im Umfeld erlebt.

00:30:33: Ja,

00:30:34: ja.

00:30:36: Was macht das mit einem?

00:30:40: Wenn ich mich in mein altes Ich hineinversetze, hat es mich traurig, natürlich sehr verletzt, traurig gemacht, aber ich habe trotzdem so diese Kraft gespürt zu sagen, ja gut, ich habe alles versucht, sie wollen nicht mit mir reden.

00:30:51: Es ist jetzt vorbei, was willst du jetzt noch da Energie reinstecken in eine Freundschaft, die von dir nur wirklich das Schlechteste denkt?

00:30:58: ähm, ja, aber man lernt doch, ob ich damit umzugehen.

00:31:02: Und je öfter du ins Gesicht herangechlagen bekommst, werbal, ja auch, macht es sich ja nur stärker und dann konnte ich mit den anderen Fällen dann auch besser umgehen.

00:31:12: Man hat wahrscheinlich auch neue Freunde

00:31:15: gefunden.

00:31:15: Ja, das muss man ja dazu sein.

00:31:17: Auf der anderen Seite habe ich natürlich sehr viele, ähm, ich sag jetzt einfach mal, Politik interessiert oder Wache, Menschen kennengelernt, auch in meinem Alter, die einfach ... locker drauf sind oder die nicht unbedingt meiner Meinung sind, aber mit denen ich mich unterhalten kann und die das akzeptieren.

00:31:31: Das ist ja auch sehr viel wert.

00:31:34: So, und dann warst du ... Gab's jetzt irgendein ... Also ich kann mich an manchen Momenten erinnern, selber persönlich aus der Öffentlichkeitsarbeit und dann freie ich dich jetzt auch.

00:31:47: Kannst du dich erinnern, wo du gemerkt hast, oops, jetzt erkennen mich die Leute.

00:31:52: Wo ich auf der Straße unterwegs war und mich Menschen erkannt haben.

00:31:55: Oh.

00:31:56: Wann war denn das erste Mal?

00:31:57: Das hätte ich nicht mal aufschreiben müssen.

00:31:59: Der war ich ganz verwirrt.

00:32:01: Also komplett, weil ich ähnlich wie sehen mich Menschen, als rechts oder was auch immer, hab ich auch damals nicht verstanden.

00:32:09: Klar, ich hab die Videos hochgeladen und vielleicht hatte ich da zwanzig, dreißig, tausend Abonnenten.

00:32:14: Und man hat natürlich die Aufrufzahlen gesehen, die dann sehr hoch waren teilweise, aber ich hab das nicht verstanden.

00:32:19: Das ist ja wirklich reale Menschen.

00:32:21: die dahinter sitzen.

00:32:22: Die

00:32:22: das auch wirklich anklicken.

00:32:24: Und dann kommt jemand auf der Straße zu dir oder am Bahnhof und sagt, ja, ich habe ein Video von dir gesehen, das ist ja mega cool.

00:32:28: Und dann denkst du dir, äh, ja, danke.

00:32:32: Dann war ich total verwirrt.

00:32:33: oder einmal ist auch einmal jemand zu mir hergekommen und hat gesagt, ich würde unbedingt zwanzig Euro geben, weil ich dir eine Arbeit so toll finde.

00:32:41: Steht da so am Bahnhof, ne?

00:32:42: Und dann habe ich gesagt, ich kann jetzt nicht Geld von dir einfach so annehmen.

00:32:45: Ja, gut, dann spend ich's dir halt dann über deinem PayPal-Polling.

00:32:47: Ich so, nein, nein, musst du ja auch nicht.

00:32:49: Doch, doch, ich will das unterstützen.

00:32:50: Und dann, also ich glaube, viele trauen sich ja auch manchmal.

00:32:54: Menschen, die sie toll finden, aus dem Internet nicht anzusprechen.

00:32:57: Aber auf der anderen Seite, ich bin viel verwirrter als die anderen.

00:33:00: Manchmal bin ich so, ah ja, ich mach Sachen im Internet, genau.

00:33:04: Da gab's was.

00:33:05: Ja, ich wurde auch letztens in der Sauna erkannt.

00:33:09: Zum Glück war ich ... Nein, ohne Spaß.

00:33:12: Also, ich hatte einen Handturm in der Sauna, bin danach aber ... hab meinen Bikini angehabt und hab mich auf die Liege gelegt mit Bikini.

00:33:19: Okay.

00:33:20: Und hab noch gesagt, ich werd mich hier nicht ausziehen.

00:33:22: Wer weiß?

00:33:23: Einfach so, hab mich nicht so sicher gefühlt.

00:33:25: Dann kam einer wirklich, aber wirklich netter.

00:33:27: Er hat gesagt, ich will nicht langstören, aber find ich super, was du machst.

00:33:29: Weiter machen.

00:33:30: Und ich liege da so.

00:33:32: Yo, danke.

00:33:34: Du hast gleich zweimal angefangen zu schützen, ne?

00:33:39: Oh, Mann.

00:33:40: Und jetzt gibt's da dieses Bild von dir da draußen, was offensichtlich nicht ganz stimmt mit dem über, was du von dir selber hast und deine ... Deine Verwandten, deine Freunde.

00:33:54: Versuchst es trotzdem, irgendwie zu ändern?

00:33:56: Oder ist es die Aegega?

00:34:00: Also es gibt ja auch die einen, die dieses Bild, wie Medien über mich berichten, adaptieren und annehmen.

00:34:05: Und dann gibt es aber auch die anderen, die das verstehen, dass das übertrieben ist und nicht der Wahrheit entspricht und sich einfach von meiner Arbeit überzeugen lassen.

00:34:15: Und denen, wenn schon mir nicht sehr dankbar, dass sie sich nicht von sowas irgendwie beeinflussen lassen.

00:34:19: Also... Ach, was soll ich da ändern?

00:34:21: Da soll ich jetzt ein Video aufnehmen und sagen, hey, ich bin einig links.

00:34:25: Gab es Momente, wo du sagst, okay, doch, warum mache ich das hier?

00:34:29: Ja.

00:34:31: Ja?

00:34:31: Ja.

00:34:32: Auf jeden Fall.

00:34:33: Also, es gab schon öfter so Momente, wo ich überfordert war, wo ich wirklich an meine Grenzen gekommen bin, weil ich eben bis kurz vor den zweihunderttausend Abonnenten alles selber gemacht habe.

00:34:49: Ich hab alle Reads geschnitten, ich hab alle YouTube-Videos geschnitten, ich hab alle Podcast-Videos geschnitten, ich hab alle Patreon-Videos geschnitten, ich hab natürlich meinen Tag geplant, ich hab meine Drehs geplant.

00:35:01: Den einzigen Menschen, die ich dann anderweitig bezahlt hab, war dann irgendwie mein Kameramann oder derjenige, der so meinen Shop ein bisschen aufgebaut hat.

00:35:08: Und ich hab alles alleine gemacht und irgendwann bist du an so einem Punkt da, bist du wie so ausgelaugt.

00:35:13: Ich hab's nicht richtig verstanden, weil man denkt ja so, ich bin ja noch jung, ich hab voll viel Energie, hab ich ja auch.

00:35:17: ... wenn du dann ... ... kein Wochenende hast und nur arbeitest, ... ... deine Freunde seltener sind.

00:35:22: Hast

00:35:22: du keine vierzig Stunden Woche?

00:35:24: Nee, mehr.

00:35:25: Wie viel?

00:35:27: Ich glaube, es ist besser, ... ... dass ich es nicht gezählt habe.

00:35:29: Also ich ... ... von morgens bis abends so ... ... ich denke mir, wenn ich vor ... Also

00:35:33: morgens, wann stehst du auf?

00:35:35: Acht.

00:35:36: Okay.

00:35:36: Ja.

00:35:37: Frühstücks, meinetwegen so.

00:35:38: Und dann, als erstes, was machst du dann?

00:35:41: Ah, Nachrichten lese ich.

00:35:42: Okay.

00:35:44: Ja, du musst dich noch mal ein bisschen umstrukturieren, ... ... aber eigentlich ... ... ja, doch.

00:35:48: viel Nachrichten lesen, dann direkt schon ein Video schneiden.

00:35:50: Ich hatte auch eine ganz schlimme Phase in Berlin.

00:35:52: Da hatte ich in so einer WG gewohnt und ich bin morgens aufgestanden, hab meine Zähne geputzt, hab mir ein Wasser geholt und hab mich sofort ein Laptop gesetzt und das Video von gestern Abend weitergeschnitten.

00:36:02: Und du verlierst so den Blick für die Realität, wenn du nur in dieser Welt lebst.

00:36:07: Irgendwann war's dann wirklich auch so viel, dass mein Eltern gesagt haben, so jetzt.

00:36:11: Jetzt reicht's.

00:36:12: Schalt mal einen Gang runter und mach mal Urlaub.

00:36:16: hab ich dann versucht, hat nicht so geübt.

00:36:18: Also, ich weiß nicht, wie sich so, ich will das gar nicht damit vergleichen.

00:36:21: Ich weiß nicht, wie sich so ein Burnout anfühlt.

00:36:24: Aber ich hatte schon oft so das, wo sich alles so, ich weiß nicht so leer anfühlt, wo du wirklich keine Kraft mehr hast.

00:36:31: Und dann aber irgendwo noch die letzte Energie herholst, trotzdem weiterzumachen, dann bist du irgendwann wie in so einer Schwebe, du machst und machst und machst, und sobald du dich ausruhst ... Wirst du krank?

00:36:42: Aber was treibt dich dann in diesem Moment an?

00:36:45: Was ist das?

00:36:46: Sind das so die Klicks?

00:36:48: Oder ist das schon so Druck?

00:36:49: Okay, ich muss, weil es von mir erwartet wird?

00:36:52: Ja, ich hab mir das irgendwie...

00:36:53: Oder gibt es noch immer so?

00:36:55: Oder sagst du, das macht mir eigentlich total Spaß?

00:36:58: Ja, natürlich macht mir Spaß.

00:36:59: Aber ist das irgendwann zu viel geworden?

00:37:01: Und was... Es macht einfach so viel Spaß, diese Arbeit, dass man halt die Zeit vergisst.

00:37:08: Und dann arbeitest du halt so viel, vergisst halt die Zeit, schreibst auch nicht auf, wie lang du arbeitest, weil du sowieso immer arbeitest.

00:37:13: Aber es ist ja deine Leidenschaft, es ist ja deine Freude, also ist es nicht schlimm, wenn andere feiern gehen und du bis vier Nachts dein Video schneidest.

00:37:21: Das ist so meine Motivation, wie so meine Freude.

00:37:24: Und was noch schöner ist, ist dann halt die positive Resonanz, wenn Menschen sagen, ich bin dir dankbar für deine Arbeit.

00:37:31: Gut, kann mir auch nichts verkaufen, aber natürlich, die Videos werden angeklickt und mittlerweile kann man auch davon leben, aber ... für welchen Preis?

00:37:37: ist halt auch die Frage.

00:37:38: Es war schon oft so ein Moment, wo ich wirklich mal drüber nachgedacht hab, ob ich das so, wie es jetzt läuft, auch weitermachen kann.

00:37:45: Also musste ich ein bisschen was ändern, mir halt auch Unterstützung suchen und erst mal einen Cutter gesucht, der mir ein bisschen Arbeit abnimmt.

00:37:53: Und aber zum Beispiel irgendwie jemanden einstellen, der sich ... wie soll man sagen?

00:38:01: Also die meisten großen Influencer haben ja irgendwie ... Wie sagt man, nicht so ein Vorgesetzten, aber jemand, der alles plant, Manager, das Wort dann noch gefehlt.

00:38:10: Und das würde ich aber niemals machen.

00:38:11: Ich brauche diese Kontrolle über alles.

00:38:15: Also ich bin dann auch sehr perfektionistisch und gucke mir auch das Video zehnmal an, bevor es online geht, weil es muss gut sein.

00:38:21: Perfekt.

00:38:22: Es gibt

00:38:23: kein Perfekt, aber ich meine, in dem Rahmen so.

00:38:25: Wobei man tatsächlich manchmal das Gefühl hat, dass gerade diese nicht perfekte so gut ankommt mittlerweile.

00:38:33: Ja, und wo siehst du dich?

00:38:36: Ich will jetzt nicht sagen, wo siehst du dich in fünf Jahren, Frau Solan.

00:38:41: In fünf Jahren?

00:38:41: Da musst du noch erst mal drüber nachhängen.

00:38:42: In fünf Jahren bin ich, ich bin jetzt, äh, dreiundzwanzig.

00:38:46: Ich werde dieses Jahr vierundzwanzig.

00:38:50: Ja, ja, so, sagen wir kurz vor Ende dreißig.

00:38:54: Hätte ich gern schon ein Kind, muss ich sagen.

00:38:56: Ja?

00:38:56: Ja.

00:38:57: Sehr schön.

00:38:59: Mit dem richtigen

00:38:59: Mann.

00:39:00: Mit dem richtigen Mann, natürlich.

00:39:01: Also wer quasi die andere Komponente, die ja auch wichtig wäre.

00:39:06: Aber wie so dran.

00:39:08: Okay, sehr gut, sehr gut, sehr gut.

00:39:11: Und beruflich.

00:39:14: Natürlich die Arbeit, die ich jetzt mache, vielleicht noch ein bisschen mehr doch Unterstützung holen, auch wenn es mir schwerfällt.

00:39:21: Aber man braucht halt diese Pausen, sonst kann ich ja auch nicht... Neue Ideen kreieren und kreativ werden, wenn ich halt all das, was ich aufnehme, selber schneide und selber alles mache, dann hat mir irgendwie nicht mehr den Spielraum.

00:39:34: Also, vielleicht ja so ein kleines Team so aufbauen, dass ein bisschen, ja, mit mehr Struktur, noch mehr Struktur machen, dass das alles so ein bisschen lockerer läuft, dass ich auch mal sagen kann, so, ich hab jetzt mal einen Wochenende und entspannen jetzt mal, weil das ist immer noch selten.

00:39:51: Hast du eine Vision, wo du sagst, okay, Ja, ich hab da so ein Vorbild, da möchte ich hin.

00:39:58: Das hätte ich gern ...

00:40:00: Ich hab keinen Vorbild.

00:40:01: Nee?

00:40:03: Zumindest nicht in der Branche?

00:40:04: Nee.

00:40:05: Sonst hätte ich's ja nicht angefangen.

00:40:07: Wenn ich jemanden gesehen hätte, der das so macht, wie ich das haben will, dann hätte ich mir diesen Kanal angeguckt.

00:40:13: Aber gab's nicht so.

00:40:15: Vor allem nicht weibliche Personen, die sich auch mal trauen, über Politik was zu sagen.

00:40:21: Nicht nur Frauen sind, die sich schminken können sozusagen.

00:40:25: Gibt es ja nicht so viele, die politisch konzentrieren?

00:40:27: Oder hat sich da was verändert?

00:40:28: Doch, natürlich, es werden immer mehr.

00:40:30: Aber wo du jetzt gerade gefragt hast, wo sieht man das in fünf Jahren, es wäre natürlich schön, wenn irgendwann das, was wir alternativen Medien machen, auch zum Mainstream gehören würde.

00:40:41: Das wäre die Traumvorstellung, aber das ist so, das sind schwierig.

00:40:44: Ja, aber kann ja passieren oder?

00:40:45: Kann passieren, ja.

00:40:48: Bereitschaft oder das positive Feedback auch von den Menschen ist ja einfach da.

00:40:52: Die Menschen wollen ja nicht mehr diesen zwangsfinanzierten Fernseher angucken jeden Tag, zwanzig, fünfzehn und dann sich beriesen lassen von irgendwelchen Nachrichten, die sie nur runter machen.

00:41:03: Sie wollen ja eben kritischen Journalismus auch erleben, so wie wir das halt machen, in die Demos reinlaufen, komme was wolle und die Themen ansprechen, die wirklich essentiell sind.

00:41:13: Ich kann es mir schon vorstellen, dass es eine Zeit geben wird, wo sich das hoffentlich ändert.

00:41:17: ist meine Hoffnung vielleicht auch das was mich so antreibt ja.

00:41:20: Aber es hat eine gewisse Entwicklung ja gegeben auch schon seitdem du unterwegs bist.

00:41:25: und zu heute gibt es ja auch schon eine eine Entwicklung oder?

00:41:29: Ja klar.

00:41:30: Also allein die Zahlen die du jetzt hast als Zugriffe.

00:41:35: Was ist dein meist geklicktes Video?

00:41:39: Was war das?

00:41:41: Eines der neuesten meistgeklicksten Videos war, wo ich mit einem Schild in der Hand zum Brandburger Tor mit Wandemo ging links.

00:41:50: Und das war ja halt sehr lustig gemeint, weil es gibt ja so viele Demos gegen rechts, was ich überhaupt nicht verstehe, weil jede politische Ausrichtung hat ihre Daseinsberechtigung.

00:41:59: Also dachte ich mir.

00:42:01: Ach, dann mach ich doch mal ein Schild, mein Demos ging links.

00:42:03: Und was ich aber nicht wusste, an dem Tag war irgendwie so eine CSD-Veranstaltung.

00:42:07: Ich hab's wirklich nicht gewusst.

00:42:08: Und ja, da sind die alle vom Brandenburger Tor, also da lang gelaufen zu ihrer Veranstaltung, haben mich dann halt mit dem Schild gesehen.

00:42:13: Und dann gab's eine interessante Konfrontation.

00:42:16: Zumal hat mir auch ein junger Mern dieses Schild aus der Hand gerissen.

00:42:20: Also, Sachbeschädigung, mein Zeig ist raus.

00:42:24: Ja, und das war, das war, ich glaub, das hat ... Und zur damaligen Zeit, was war so das beliebteste, ich glaub, am LGBTQ-Kindergarten, die Konfrontation mit den Bürgern, die dafür oder dagegen sind, das war auch ...

00:42:39: Du hast sogar einen Merch mit ...

00:42:41: Ja, das war auch ... Stimmt!

00:42:44: Du hast was erwähnt, was ich gar ... Ja, mit denen ... Sie haben diskriminiert, da haben

00:42:48: wir ... Genau, mit den zwei Damen.

00:42:49: Das hat, glaub

00:42:49: ich, auch ... weiß ich nicht, halte

00:42:51: Million.

00:42:51: Wobei, jetzt hab ich die Damen genannt.

00:42:53: Nicht, dass ich jetzt eine Anzeige hab.

00:42:54: Was auch diskriminiert, klar.

00:42:57: Das ist viral gegangen.

00:42:59: Das war auch wirklich ein Sprungbrett, welches man natürlich nicht planen konnte.

00:43:04: Weil du machst einfach deine Umfragen und dann sagen dir zwei augenscheinliche Damen, dass du sie diskriminiert hast, weil du sie als Darm angesprochen hast.

00:43:14: Und wie planst du dein Content?

00:43:16: Also neben du einfach Nachrichten anschaust, das ist interessant.

00:43:19: Und du machst dann Straßenumfragen.

00:43:23: Aber du versuchst dich schon ein bisschen zu... Diversifizieren, also sagst du, du machst jetzt auch ein Podcast richtig.

00:43:31: Und sonst auch so kurz Dokus.

00:43:35: Dokus nicht so, hab ich noch nicht gemacht, würde ich aber sehr gerne machen.

00:43:39: Nur wir leben so in einer schnell liebigen Zeit, was heute aktuell ist, ist morgen wieder Schnee von gestern.

00:43:43: Natürlich gibt es auch Themen, die einfach immer wichtig sind und immer interessant sind.

00:43:50: Das würde ich gerne noch mal machen, aber dafür müsste man ja erst mal es schaffen.

00:43:54: Ich weiß nicht, ein paar Videos im Vorlauf schon fertig zu haben.

00:43:57: Und so ist das meistens nicht bei mir.

00:43:59: Meistens ist so kurz, bevor der Sonntag nah rückt, wird da noch mal alles fertig gemacht.

00:44:04: Und ich versuche immer mehr so, aktueller zu werden, was die Themen angeht.

00:44:08: Das schafft man natürlich nicht immer.

00:44:09: Man muss auch mit seinen Drehplanen und manchmal kommt dann halt auch irgendwas dazwischen.

00:44:14: Aber ich guck mir halt so das Weltgeschehen an, guck mir halt an, was vor allem klar die Menschen interessiert, aber auch was mich interessiert.

00:44:20: Weil wenn ich jetzt ein Thema ansprechen würde, was ... ich jetzt nicht so wirklich packt, dann kann ich auch nicht irgendwie bewusst an die Sache rangehen und das zumindest den Menschen vermitteln, dass das jetzt super wichtig ist, wenn ich selber nicht davon überzeugt bin.

00:44:34: Ja, also ich gucke mir einfach an, was wichtig ist und ja, schreibt mir dann so ein, zwei Fragen auf.

00:44:40: Meistens gehe ich aber doch unvorbereitet in die Sache rein und das läuft eigentlich ganz gut.

00:44:44: Ja, okay.

00:44:46: Ja, sehr gut.

00:44:47: Ne, schön, dass du da warst.

00:44:49: Hat dir echt Spaß gemacht, auch kurzweilig.

00:44:51: Ja.

00:44:52: Auf jeden Fall schön, dass du da warst.

00:44:53: Du warst ja auch bei uns mit einer kleinen Aufgabe hier unterwegs.

00:44:55: Das sieht man jetzt auf deinem Kanal.

00:44:57: Richtig.

00:44:57: Alle bitte reinschauen.

00:44:59: Ich durfte als, ich glaube, erste sogar, äh, Interdikulissen gucken.

00:45:02: War so richtig

00:45:03: Interdikulissen mit der Kamera.

00:45:04: Ja.

00:45:05: War ein spannender Tag.

00:45:07: Ja, ein sehr langer Tag.

00:45:08: Wir haben sehr lange Arbeitszeuge, ja.

00:45:10: Und morgens acht bis abends, keine Ahnung, siebzehn, achzen Uhr.

00:45:14: Nachts unterwegs.

00:45:15: Das wird wieder geschnitten.

00:45:16: Ja.

00:45:18: Super.

00:45:19: Ja, herzlichen Dank und bis aufs nächste Mal.

00:45:21: Bis bald.

00:45:22: Danke für die Einladung.

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